Proyecto Creando Juntos - Argentinien

Die Gesamtbevölkerung Argentiniens beträgt etwa 36 Mio.; von den 11,9 Mio. Kindern bis zu 18 Jahren leben rund 7 Mio. in armen bis ärmsten Verhältnissen.

Der tägliche Kampf ums Überleben löst den Verlust von Werten aus und spiegelt sich in aggressiven Verhaltensformen wider. Die Welt der Kinder ist geprägt von Alkoholismus, Drogenmissbrauch und familiärer Gewalt. Die Eltern sind oft unfähig, die emotionalen und affektiven Bedürfnisse ihrer Kinder zu befriedigen. In vielen Fällen müssen die Kinder zum familiären Unterhalt beisteuern.

Das Proyecto Creando Juntos (PCJ) entstand im Jahre 1999 in Cordoba mit dem Ziel, Kindern aus sozial marginalisierten Familien pädagogische Räume anzubieten, in denen sie sich anhand künstlerischer Aktivitäten ausdrücken können.

Der therapeutische Wert der künstlerischen Aktivitäten ist bedeutend: Die Kunst ermöglicht Gefühle auszudrücken, Selbstvertrauen auf- bwz. auszubauen, Kreativität zu entwickeln und Befriedigung zu finden. Die Kinder lernen, sämtliche Materialien zu teilen und zusammen zu arbeiten. Am Beispiel der Erzieher erfahren die Kinder, dass Beziehungen harmonisch gelebt und Konflikte auch ohne Anwendung von Gewalt gelöst werden können.

Die Workshops werden immer in Absprache mit schon bestehenden Einrichtungen oder Schulen durchgeführt, um so deren Initiativen zu unterstützen, zu erweitern und neue erzieherische Inhalte einzubringen.

Hintergrund

Ende 2001 war Argentinien wirtschaftlich und politisch am Ende: Zunehmende Arbeitslosigkeit, gesperrte Sparkonten, gekürzte Renten, Korruption, Vetternwirtschaft sowie das Misstrauen gegenüber den drei politischen Gewalten prägten das Land.

Um das Vertrauen potentieller Investoren wieder zu gewinnen, sollten die Staatsausgaben - in Absprache mit dem IWF - gesenkt und die Steuereinnahmen erhöht werden. Die öffentlichen Löhne und Monatsrenten ab 300 Dollar wurden um 13 % gekürzt. Doch die radikalen Maßnahmen beschleunigten nur die Rezession und erhöhten das Misstrauen in Wirtschaftskraft und Zahlungsfähigkeit des Staates. Wer konnte transferierte sein Geld ins Ausland. Gleichzeitig waren die Auslandsschulden angewachsen. Argentinien zahlte täglich 30 Mio. Dollar Zinsen zurück.

Während umgerechnet pro Jahr und Einwohner 305 Dolar für die Schuldentilgung aufgebracht werden musste, blieben z. B. für Bildung nur 79 Dollar übrig. Staat und Provinzen waren faktisch zahlungsunfähig geworden. Die Maßnahmen wurden immer verzweifelter:
Viele Provinzen begannen Ihre Löhne in Schulscheinen auszubezahlen. In der Bevölkerung entstand mit Recht der Eindruck, dass sie für die Jahrzehnte lange Misswirtschaft und Verschleuderung von Staatsgeldern bluten sollte.

Über 10 Jahre neoliberale Wirtschaftspolitik hatte nur wenige Gewinner, aber sehr viele Verlierer hervorgebracht. Während 10 % der Bevölkerung über 80 % des Reichtums verfügten, rutschten täglich 14.000 Argentinier unter die Armutsgrenze. 8 Mio. Argentinier müssen mit weniger als 60 Dollar im Monat auskommen. Die offizielle Arbeitslosenrate stieg auf über 20 %. (In manchen Provinzen sind 50 % arbeitslos.)

40 % der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter haben keinen Anspruch auf Sozial- und Krankenversicherung. Der Hunger begann zu grassieren: Laut dem nationalen Institut für Statistik sterben täglich 55 Kinder an Unterernährung und Verelendung.

Nach einer Übergangsregierung von einem Jahr kam ein demokratisch gewählter Präsident, Nestor Kirchner, an die Macht. Der Pesos wurde abgewertet, um die Wirtschaft anzukurbeln. Mit IWF und Weltbank wurde verhandelt, um das Ausbluten Argentiniens zu verhindern und einen Weg zwischen Schuldenzahlung und Wirtschaftswachstum zu finden.

Die Abwertung des Pesos hatte drastische Einkommensverluste zur Folge: Sämtliche Preise und Lebenshaltungskosten stiegen zwischen 100 und 300 %. Die Gehälter der Angestellten blieben jedoch gleich. Das hatte eine noch stärkere Verarmung zur Folge.

Positiv ist die recht zuversichtliche Stimmung innerhalb der Bevölkerung, vor allem von Seiten der ehemaligen Mittelschicht, zu bewerten. Es wird wieder produziert. Mittel- und langfristig wird sich das auch auf die Gesamtgesellschaft auswirken, sofern Korruption und Werteverfall Einhalt geboten werden kann.

Catamarca liegt im Norden Argentiniens und ist eines der ärmsten Bundesländer. Von den 330.660 Einwohnern Catamarcas leben 172.000 in der gleichnamigen Landeshauptstadt. 56 % der Bevölkerung sind von Armut betroffen. Viele fristen ihr Dasein unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Tag für Tag müssen sie um ihr Überleben kämpfen.

Das Bevölkerungswachstum der Stadt beträgt ca. 40 %. Die Menschen im Landesinneren ziehen mit der trügerischen Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen in die Stadt. Viele Familien suchen sich freies Land am Stadtrand. Die notdürftigen Unterkünfte verfügen oft nicht über fließend Wasser, Abwassersystem oder Müllabfuhr. Die hygienischen Zustände sind dem entsprechend.

Villa Eumelia

ist eines der ersten großen Elendsviertel von Catamarca. Inzwischen gibt es Licht und während ein paar Stunden täglich auch fließend Wasser. Die Kinder charakterisieren sich vor allem durch ein äußerst aggressives Potential, einen extremen Individualismus, Verhaltensstörungen sowie geistige und körperliche Behinderungen.

Creando Juntos führt in dem von 2 Ordens­schwestern geführten „Comedor Divino Jesus“ wöchentliche Workshops mit ungefähr 60 Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 – 13 Jahren durch. Die Ordensschwestern versorgen die Kinder mit Frühstück und Mittagessen.

Da im Comedor keine erzieherischen Aktivitäten durchgeführt werden, konnte Creando Juntos diese fehlenden Elemente einbringen. In den Workshops lernen sie anhand verschiedener Aktivitäten neue Formen des Zusammenlebens und das Teilen. Sie lernen wie Beziehungen harmonisch gelebt werden können.

Barrio Ongoli

8 km vom Stadtzentrum von Catamarca entfernt, leben 25 Familien teilweise unter primitivsten Umständen. Das Viertel entstand vor 25 Jahren, eine regelmäßige Wasserversorgung (zumindest für 2 Stunden am Tag) gibt es seit etwa 3 Jahren. Je nach Windrichtung ist der Gestank der nahe­liegenden Müllhalde nahezu unerträglich. Das soziokulturelle Niveau liegt sehr tief und ein Großteil der Erwachsenen sind Analphabeten, die sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen oder unter einfachsten Bedingungen Holzkohle herstellen.

Die Aktivitäten mit den Kindern finden hier jeweils in verschiedenen Häusern statt. Dadurch wird es den Mitgliedern von Creando Juntos erleichtert, eine Beziehung zu den Familien der Kinder aufzubauen. Ziel ist eine gemeinsame Organisation der Menschen, um eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu erreichen.
Im Laufe des Jahres 2003 gelang es eine Gemeinschaftsküche einzurichten, wobei die Lebens­mittel dafür monatlich vom „Ministerio de Bienestar social“ überreicht werden. Die Organisation wird inzwischen selbständig von 4 Frauen durchgeführt. Einmal pro Tag wird für die Familien des gesamten Stadtteils gekocht. Die Ernährungsqualität konnte so deutlich verbessert und die Menschen zusammengeführt werden.
Gemeinsam mit den Frauen des Viertels wurde der Verkauf von Brotspezialitäten während eines großen Festes in Catamarca organisiert, um mit den erzielten Einnahmen die Fundamente für ein Gemeinschaftszentrum zu legen, das auch als Grundschule fungieren soll. Die nächste Grundschule ist 4 km entfernt und viele der Eltern können das Geld für den Bus nicht aufbringen.

Creando Juntos erarbeitet mit den Familien Vorschläge, wie die Lebensbedingungen innerhalb der Siedlung verbessert werden können. Die Umsetzung erfolgt, soweit das möglich ist, unter Einbindung der verantwortlichen staatlichen Stellen.

La escuela n° 22 Sargento Mario Antonio Cisnero und la escuela n° 237 La Paraguaya

2 Schulen, die sich 30 km von Catamarca befinden und die Realität der ländlichen Regionen wider geben.

Creando Juntos arbeitet mit insgesamt 70 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 14 Jahren. Neben den wöchentlichen Kunstworkshops in den Schulen organisiert Creando Juntos Ausflüge, Studienfahrten und ermöglicht Kindern an Ausstellungen teilzunehmen. Darüber hinaus besteht eine Schulpartnerschaft zu einer Schule in Deutschland. Die Schüler entringen auf diese Weise ihrer isolierten Umgebung und erhalten Zukunftsperspektiven.

Kontaktadresse:
Rafael Indelkofer
Email: info@eljardinvioleta2000@jahoo.com.ar