Laden

Weltladen Karlsruhe

Mehr als Kaffee, Tee und Honig...

Die haben die Probleme - wir haben die Lösungen...

Unter diesem Motto wurde die Entwicklungspolitik im Norden 4 Jahrzehnte lang als Hilfe für den unterentwickelten Süden betrieben. Doch mit der Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Klimakatastrophe, der strukturellen Arbeitslosigkeit und der wachsenden sozialen Kluft zwischen Arm und Reich wird immer klarer, daßdie Entwicklungskrise auch den Norden erfaßt hat. Die Erkenntnis der zunehmenden Verflechtungen des gesellschaftlichen Lebens und der gegenseitigen Abhängigkeiten hat spätestens seit der Konferenz von Rio 1992 das Motto "Der Norden muß sich entwickeln" auf die politische Tagesordnung gesetzt. Die aktuelle Diskussion um die Umsetzung der Agenda 21 auf lokaler Ebene ist nur ein Ergebnis dieser weltweiten Einsichten.

Die Weltläden als Vorreiter

Weltläden sind mit ihrem Modell des fairen Handels nicht nur auf dem Gebiet des Warentaustausches Vorreiter gewesen - sie haben es sich seit 25 Jahren schon zur Aufgabe gemacht " den Norden zu entwickeln", indem sie den fairen Handel immer mit einer konsequenten Informations-und Bildungsarbeit für die Menschen im Norden verbunden haben.

Produktinformationen, Referenten aus dem Süden, Ladenführungen mit Schülern und anderen Gruppen, Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen entwicklungspolitischen Fragen - immer war und ist dieser "informelle" Teil ein unverzichtbarer Bestandteil der fast ausschließlich ehrenamtlichen Weltladenarbeit.

Die Rolle der Bildungsarbeit

Ging es früher vor allem um die Begründung und Erklärung von Hilfsmaßnahmen für den Süden, um die Vermittlung von Wissen über fremde Lebensbedingungen, geschichtliche und politische Zusammenhänge, so ist der Anspruch an die entwicklungspolitische Bildungsarbeit unter den oben beschriebenen veränderten Vorzeichen einer weltweiten Entwicklungskrise gewachsen.

"Die entwicklungspolitische Inlandsarbeit möchte als "Entwicklungsdienst im eigenen Land" die Menschen in unserer Gesellschaft dazu ermutigen und dazu befähigen, an der Gestaltung einer zukunftsfähigen Entwicklung, die nur noch im globalen Bezugsrahmen gedacht werden kann, engagiert und sachkundig teilzuhaben." (Zitat Klaus Seitz "Zum Stellenwert entwicklungspolitischer Inlandsarbeit" in epd 4/98)

Das heißt auch , daß es nicht mehr möglich ist, nach dem Schema " Wir sind reich und die sind arm" den Schwerpunkt nur auf die Motivation zur einmaligen Hilfsaktion zu legen, sondern immer auch die notwendigen Veränderungen im eigenen Verhalten - als Individuum und als politisch handelnder Mensch - zu suchen . Nur so kann eine Nachhaltigkeit auch in der Hilfe erreicht werden.

Die Zusammenarbeit mit Schulen

"Auf Kosten anderer leben" ist eine Unterrichtseinheit in ev. Religion betitelt. Daß die SchülerInnen damit nicht etwa die Erkenntnis assoziieren, daß ein Fünftel der Menschen im Norden vier Fünftel der Energie verbraucht, sondern daß sie der Meinung sind, die Entwicklungsländer würden sich mit unseren Entwicklungshilfegeldern auf unsere Kosten bereichern, das ist nur das Ergebnis der sich allemal gut verkaufenden öffentlichen Politik. Fakten zu vermitteln, die dieses selbstgefällige Bild in Frage stellen, auch wenn sie unbequem sind - das ist eine wichtige Aufgabe von Bildungsarbeit. Aber gerade in diesem emotional stark besetzten Bereich der Zusammenarbeit mit fremden Ländern und Menschen gilt es, andere Zugänge, neue Motivationen und Lust auf das Fremde zu schaffen. Nicht Schuldzuweisungen - ihr habt ja viel zu viele Spielsachen, Klamotten, Geld, ihr wißt ja gar nicht, wie gut ihr`s habt, sondern eine realistische Gegenüberstellung von Lebenswelten, von Alltag im Norden und im Süden. Nicht ständig dieselben Elends - und Kriegsbilder aus dem Süden sondern Ansätze aus dem Süden zur Überwindung von Not und Armut, eigenständige kulturelle Entwicklungen, Selbsthilfe und Mut, Erfindungsgeist und Lebensfreude müssen einen Platz finden in der Auseinandersetzung mit der Nord - Süd - Thematik.
Unter diesen Vorzeichen sind dann z.B.

Ladenführungen

für die unterschiedlichsten Altersgruppen eine Erfahrung von neuen Möglichkeiten des Produzierens und des Konsumierens, wird der faire Handel nicht mehr ein mitleidsvolles Zugeständnis an die "Armen", sondern ein zukunftsfähiger Lösungsweg für ungleiche Handelsbeziehungen. Daß das Alter und die Vorkenntnisse der Besucher bei der Konzeption z.B. der Ladenführung eine wichtige Rolle spielt, versteht sich von selbst - Kinder der 2. Grundschulklasse werden sich eher über Spielzeug aus anderen Ländern als über unterschiedliche Entwicklungsmodelle für das Thema begeistern lassen...

Sinnliche Erfahrungen sind dabei allemal ein guter Einstieg - pädagogische Koffer zur Baumwollproduktion, zum Spielzeug aus Recyclingmaterial, zu Kleidung und Stoffen, Musik, Märchen und Geschichten, Kochrezepte, Einladung an einen ausländischen Gast oder ehemalige EntwicklungshelferInnen - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Lehrerfortbildung, pädagogische Tage, Mitarbeit bei Projekttagen , Mithilfe bei der Gestaltung von Unterrichtseinheiten zu entwicklungsbezogenen Themen und die Vermittlung von Referenten aus dem Süden sind weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten.

Unterrichtsmaterial und Bücher

Durch großzügige Sachmittel des ABP konnten in den vergangenen Jahren die Bestände der Weltladen-Bibliothek stark erweitert werden. Aktuelle Unterrichtsmaterialien, Bücher zu entwicklungspolitischen Themen, Zeitschriften, Videofilme und Belletristik aus dem Süden können kostenlos ausgeliehen werden. Eine sachkundige Beratung vermittelt auch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen (Evangelische Medienzentrale, Landesbildstelle)oder anderen entwicklungspolitischen oder Menschenrechtsgruppen im Karlsruher Raum.

Veranstaltungen

Auch wenn das öffentliche Interesse an Entwicklungspolitik zurückgegangen ist - es gibt noch immer genügend wichtige Themen, für die sich Menschen bewegen lassen. Berichte von Produzenten aus dem Süden, Diskussionen zu aktuellen entwicklungspolitischen Themen oder größere Veranstaltungsreihen mit anderen Partnern wie die besonders gelungene Reihe " Kleider machen Beute" im Oktober 1996 kommen diesem Interesse entgegen. Angebote im Rahmen der Volkshochschule wie das Seminar über " Kindheit in Afrika" und das Basteln von Recyclingspielzeug oder die Vorstellung des Mzumbe Book Projects im Frühjahr 1998 erweitern den Kreis der Nord-Süd Interessenten.
Eine Bildungsarbeit, die diesen Ansprüchen genügen will, kann sich durchaus als "Entwicklungshilfeprojekt" für den Norden bezeichnen und verdient es, in die Reihe der ideellen Projekte des Weltladens aufgenommen zu werden.